Nicht die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank sei schuld an der schlechten Ertragslage in der europäischen Finanzbranche, sondern die veralteten Geschäftsmodelle einiger Großbanken in Europa, so die Meinung des EZB-Präsidenten Mario Draghi.

„Es sind nicht die niedrigen Zinsen allein“

Auf einer Konferenz des Europäischen Systemrisikorats in Frankfurt währte sich Dragi bereits zum wiederholten Male gegen die Annahme, dass sein geldpolitischer Kurs schuld an der derzeit misslichen Lage der europäischen Banken sei. In einer Rede machte er deutlich, dass es bei weitem nicht die niedrigen Zinsen allen wären, die die schlechte Ertragslage verursachen würden. Ins Feld wirft er dabei den Begriff „Overbanking“. In einigen europäischen Ländern gebe es schlicht und ergreifend einfach zu viele Banken.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan pflichten dem EZB-Präsidenten bei. Auf einer Bankentagung hatte er im Vorfeld weitere Zusammenschlüsse gefordert: „Wir brauchen weitere Zusammenschlüsse, auf nationaler Ebene und über Landesgrenzen hinweg.“

Problem-Kind Deutschland

Draghi wirft vor allem Deutschland vor, erheblichen Einfluss auf die derzeitige Finanzlage auszuüben. Für ihn gilt die Bundesrepublik als „overbanked“. Die Kritik an der Geldpolitik ist in Deutschland seit je her am lautesten. Dennoch gibt es seiner Ansicht nach zu viele Banken. Dies erhöht den Wettbewerbskampf. Die Belastung liegt auf den Margen der Geldinstitute. Der Aktuelle Nullzins sowie der Einlagezins von minus 0,4 Prozent tragen ihr Übriges dazu bei.

Auch Cryan machte bereits auf die Fülle an Geldinstituten in Deutschland aufmerksam. Der hohe Wettbewerb führe unter anderem dazu, dass Banken-Dienstleistungen in der Bundesrepublik zu weitaus günstigeren Konditionen angeboten werden als in anderen Ländern.

Titelbild: Tiberius Gracchus