Die derzeitigen geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank führen nicht zu mehr Ungleichheit wie landläufig behauptet. Zu diesem Ergebnis kam die Bundesbank in ihrer vor kurzem veröffentlichten Studie. Damit pflichtet sie dem EZB-Präsidenten Mario Draghi bei, der sich schon lange gegen diesen Vorwurf zur Wehr setzt.

Das Märchen vom billigen Geld

Das Urteil der Öffentlichkeit, dass der Niedrigzins für Ungleichheit sorgt, weisen die Studienautoren zurück. So heißt es in ihrem Bericht: „Die vielerorts zu lesende Aussage, die geldpolitischen Sondermaßnahmen hätten erwiesenermaßen die Ungleichheit erhöht, lässt sich nicht erhärten“. Weiterhin heißt es, dass der Vorwurf auf Basis einer unzulässigen Verallgemeinerung abgeleitet worden ist. Das richtige Referenzszenario sei dabei nicht zugrunde gelegt. Außerdem seien Verteilungseffekte, die verzögert auftreten, nicht berücksichtigt.

Die Studienautoren kommen stattdessen zu der Erkenntnis, dass niedrigere Zinsen Ungleichheit sogar reduzieren können. Vorausgesetzt, die Arbeitsmarktlage verbessere sich und die Einkommen steigen. Dass es um die Einkommensverteilung gar nicht so schlecht bestellt ist, wie häufig angenommen, haben bereits Untersuchungen des Münchner ifo-Instituts und des Kölner IW-Institut herausgefunden.

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wies bereits in einem Interview aus dem Frühjahr darauf hin, dass der Sparer zwar durch den Niedrigzins belastet sei, er sich allerdings für Bauherren, Steuerzahler und Arbeitnehmer positiv auswirkt. Bei den Kritikern der EZB stieß er damals schon auf taube Ohren.

Ursache und Wirkung: Nicht zu ermitteln!

Eines der grundlegenden Prinzipien der Geldpolitik ist, dass sie immer auf bestimmte Parameter reagiert. Daraus lässt sich nicht konkret ableiten, wo die Ursache und wo die Wirkung liegen. Außerdem betrachtete die Öffentlichkeit vorzugsweise die Vermögenspreise, einen Teilaspekt der geldpolitischen Auswirkungen. Auf diese Weise könne kein umfassender Befund festgestellt werden, so die Aussage der Studienautoren.

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