Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist nochmals zurückgegangen und liegt damit auf dem tiefsten Stand seit 1999. Die Höhe der Gläubigerforderungen tangiert dieses Ergebnis allerdings nicht. Sie steigt dennoch weiter.
Ein Trugschluss!
Die sinkenden Firmeninsolvenzen lassen zunächst auf ein positiveres Geschäftsklima schließen. Doch der Schein trügt. Gläubigern drohen mittlerweile deutlich höhere Verluste als noch ein Jahr zuvor. Im ersten Halbjahr 2016 summierten sich die Forderungen auf 16,5 Milliarden Euro, im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs von knapp sieben Milliarden Euro. Im selben Vergleichszeitraum sank die Anzahl der Insolvenzen hingegen um fast fünf Prozent.
Grund: Großinsolvenzen in der Modeindustrie!
Der Grund für höhere Gläubigerforderungen bei allgemein sinkender Insolvenz ist die Zahl wachsender Großinsolvenzen. Die Rechnung ist einfach. Großunternehmen, die in die Pleite rutschen, gibt es wenig. Dass Gläubigerforderungen in solchen Fällen schon mal in die Milliarden gehen können, liegt in der Natur der Sache. „Wir beobachten in den letzten Monaten eine zunehmende Zahl von Großinsolvenzen, insbesondere im Textileinzelhandel“, so der Vorsitzende des Insolvenzverwalterverbandes VID, Christoph Niering. Er sagt dazu weiter: „Hiervon sind nicht nur deutlich mehr als zehntausend Arbeitnehmer, sondern auch Gläubiger mit deutlich höheren Forderungen betroffen.“ Derzeit wird die gesamte Modebranche von einem Umbruch erfasst. Häuser wie Strenesse, Promod, Wöhrl oder SinnLeffers mussten bereits Insolvenz beantragen. Was dem einen Leid, ist des anderen Freud. So auch Zalando, das Unternehmen ist in wenigen Jahren zum führenden Online-Händler Europas aufgestiegen.
Auch wenn die Modebranche ein wenig in finanzielle Schieflage geraten ist, so ist davon auszugehen, dass die gute konjunkturelle Lage sowie niedrige Zinsen dafür Sorge tragen, dass die Zahl der Firmeninsolvenzen weiterhin sinken wird. Davon ist auch VID-Vorstand Niering überzeugt.
Bild: Tiberius Gracchus
